Wohin führt dein Weg? 

Erkennen Sie sich wieder?

Alkoholmissbrauch und Abhängigkeit beginnen fast immer unspektakulär. Unsere Gesellschaft ist sich darüber einig, dass ein Glas Alkohol entspannen, anregen, trösten, wärmen und auch belohnen kann. Viele Menschen haben keine Probleme damit. Je öfter aber Alkohol scheinbar für das Wohlbefinden sorgt, desto weniger gelingt es, schwierige Situationen ohne Alkohol zu bewältigen.
Alkoholabhängigkeit bzw. -sucht entwickelt sich in der Regel langsam. Das Fehlen des Alkohols führt bei Abhängigen zu Entzugserscheinungen wie Schlafstörungen, Schweißausbrüchen, morgentlichem Zittern, Unruhe, Gereiztheiten, vielfältigen Ängsten und Verstimmungen bis hin zu Selbstmordgedanken. Dabei ist die Alkoholabhängigkeit nicht eine Frage der konsumierten Alkoholmenge. Es gibt Abhängige, die zeitweise abstinent leben als auch solche, die ihren Konsum kontrollieren können, aber selbst zu kurzen Abstinenzphasen unfähig sind. Je weiter die Abhängigkeit bzw. die Suchtentwicklung fortschreitet, umso größer werden die körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Schäden. Schuld- und Schamgefühle überkommen den Betroffenen und es beginnt eine selbst gewollte Isolation von Familie und Gesellschaft.

Haben Sie sich schon einmal ehrlich folgende Sachverhalte beantwortet?

  • *Ich versuche meine Art zu trinken zu verbergen. Es wissen nur wenige davon.
  • *Ich nehme mir immer wieder vor Trinkpausen einzulegen - ohne Erfolg.
  • *Ich trinke immer früher am Tage und Getränke mit hohen Alkoholprozenten
  • *Ich trinke alleine.
  • *Ich habe Probleme bei der Arbeit und fehle sehr häufig.
  • *Ich habe nicht nur Konzentrationsstörungen, sondern richtige „blackout´s“.
  • *Ich habe wenig Appetit.
  • *Meine Persönlichkeit hat sich verändert-ich bin eifersüchtig, misstrauisch und lügnerisch geworden,
  •   manchmal könnte mir auch die Hand ausrutschen.
  • *Ich fahre alkoholisiert Auto und habe zumindest Restalkohol im Blut.
  • *Ich erbreche und zittere morgens.
  • *Sehr häufig habe ich Magendruck, manchmal Krämpfe und Durchfall.
  • *Ich habe vermehrt rote Augen, ein rotes Gesicht, feuchte Hände und rote Handinnenflächen.
  • *Ich habe einen unsicheren Gang und mein Gesundheitszustand hat sich allgemein verschlechtert.
  • *Ich habe zu Hause und/oder im Betrieb einen kleinen versteckten Alkoholvorrat
  • *Ich vertrage in der letzten Zeit wesentlich mehr Alkohol als früher.

Leider gelingt es vielen Alkoholkranken -aus Scham und Angst vor dem Verlust der Droge Alkohol – erst sehr spät, sich ihre Situation einzugestehen und medizinische/sozialrechtliche Hilfe anzunehmen. Der qualifizierte Entzug in der Fachklinik ist ein erster Schritt auf einem langen Weg.

Für viele Menschen dient der Alkohol als Konflikt- und Spannungslöser ohne zu merken, dass Sie sich in einer Grauzone zwischen Gefährdung und Abhängigkeit bewegen. Sie glaubten aufhören zu können, wenn es gefährlich wird. Ein Selbstbetrug der eigenen Fähigkeiten und eine Unterschätzung des Risikos der körperlichen Abhängigkeit. Denn, die Abhängigkeit ist nicht plötzlich da, sie entwickelt sich langsam und für den Betroffenen fast unmerklich. Kaum eine Grenze ist fließender als jene zwischen dem sozialen Trinken und der beginnenden Alkoholabhängigkeit. Am Anfang greift die Person zum Alkohol, um besser mit Problemen umgehen zu können oder sich zu belohnen. Es besteht eine psychische Abhängigkeit vom Alkohol, in der das Trinken noch kontrolliert werden kann. Danach folgen einige Anzeichen alkoholabhängigen Verhaltens, wobei die unmittelbar bevorstehende körperliche Abhängigkeit noch abgewendet werden kann. In der nächsten Phase nimmt das Denken an den Alkohol sowie das Trinken von Alkohol einen breiten Raum im Tagesablauf im Leben ein. Der Betroffene hat keine Wahl mehr trinken zu wollen oder nicht. Er muss trinken, da eine körperliche Abhängigkeit besteht. In der letzten, der chronischen Phase, werden ausgedehnte Rauschzustände registriert.

Eines sei jedoch gesagt, den typischen Alkoholiker gibt es nicht. Jedes Alkoholproblem ist so einzigartig wie der Mensch, der es hat. Jeder alkoholabhängige Mensch ist prinzipiell therapierbar. Behandlungsbereitschaft und Mut zur Abstinenz entwickeln sich erst, wenn die negativen Erfahrungen größer als seine positiven Wirkungen werden, denn im Laufe der Krankheitsentwicklung nehmen Scham-, Schuld-, Minderwertigkeitsgefühle, Ängste, Hemmungen, Selbstvorwürfe und Selbstverachtung zu. Der Kranke entwickelt zunehmend typische Abwehrmechanismen. Erst wenn diese gelöst und aufgegeben werden, bietet sich dem Patienten ein breites Therapieangebot von der ambulanten bis hin zur stationären Behandlung. Die Erfahrung hat gezeigt, dass nach einer Therapie eine Nachsorge und der Anschluss an eine Selbsthilfe-
gruppe einen Rückfall minimieren.