Diagnostik
Die ICD-10 definiert sechs Kriterien, von denen mindestens drei erfüllt sein müssen, um die Diagnose stellen zu können:
  • starker Wunsch oder Zwang, Alkohol zu trinken

  • Kontrollverlust in Bezug auf die Menge, den Beginn oder das Ende des Konsums

  • körperliche Entzugserscheinungen bei Konsumstopp oder Konsumreduktion

  • Toleranzentwicklung

  • Vernachlässigung anderer Tätigkeiten, um stattdessen zu konsumieren, Alkohol zu beschaffen, oder sich vom Konsum zu erholen

  • trotz nachgewiesener körperlicher Spätfolgen weiterer Alkoholkonsum

Als Screeninginstrument für den Allgemeinarzt bewährte sich das CAGE-Interview. Mindestens zwei „Ja“ auf die folgenden Fragen weisen auf eine Alkoholabhängigkeit hin.

  • C = Cut down: „Haben Sie (erfolglos) versucht, Ihren Alkoholkonsum einzuschränken?“

  • A = Annoyed: „Haben andere Personen Ihr Trinkverhalten kritisiert und Sie damit verärgert?“

  • G = Guilty: „Hatten Sie schon Schuldgefühle wegen Ihres Alkoholkonsums?“

  • E = Eye Opener: „Haben Sie jemals schon gleich nach dem Aufstehen getrunken, um ‚in die Gänge zu kommen‘ oder sich zu beruhigen?“

Eine ausführlichere Differentialdiagnostik ist mit dem „Trierer Alkoholismusinventar“ (TAI) möglich, einem aus 90 Punkten bestehenden Fragebogen zum Suchtverhalten, das folgende sieben Dimensionen abbildet: „Schweregrad“, „Soziales Trinken“, „Süchtiges Trinken“, „Motive“, „Schädigung“ sowie im Fall bestehender Partnerschaften „Partnerprobleme wegen Trinken“ und „Trinken wegen Partnerproblemen“.

Laborparameter

  • Enzymerhöhungen:

da die Leber mit dem Abbau des Alkohols überfordert ist, kommt es zu einer sukzessiven Leberschädigung durch nicht mehr (vollständig) abgebaute Stoffwechselprodukte, die in mehreren Stadien abläuft:

  • Fettleber:

    • nur allein γ-GT↑ ist erhöht

  • Fettleberhepatitis:

    • jetzt auch Erhöhung der sog. Transaminasen:

    • AP

  • Leberzirrhose:

    • bei weiterer Schädigung kommt es zu einem fortschreitenden (irreversiblen) Lebergewebuntergang, bzw. Umbau in bindegewebiges funktionsuntüchtiges Gewebe. Jetzt sind auch alle Stoffe erniedrigt, die die Leber herstellt, z. B.:

  • den Alkoholkonsum kann man (z. B. zur Klärung der Schuldfrage nach einem Autounfall) nachweisen durch:

    • direkte Blutabnahme oder „Blasen“ einige Stunden nach Alkoholeinnahme

    • ETG↑ (Ethylenglukuronid) → Neuer, seit 2003 verwendeter, sehr empfindlicher Kurzzeitmarker. Nachweis eines (auch einmaligen geringen) Alkoholkonsums bis zu drei Tage, d. h., man kann damit schon den einmaligen Konsum von einer halben Flasche Bier nachweisen, auch wenn die Person nie zuvor oder danach je Alkohol zu sich genommen hat

    • CDT↑ → Langzeitmarker (ab dem fünften bis zum ca. 21. Tag nachweisbar) Mit CDT kann man die konsumierte Alkoholmenge in den letzten 3 Wochen nachweisen bzw. abschätzen