Behandlung

Entzug

Bei einem Alkoholentzug wird der Alkohol abrupt abgesetzt. Dabei können sehr heftige bis lebensbedrohliche Entzugserscheinungen auftreten. Deshalb erfolgt die Entgiftung stationär unter ärztlicher Aufsicht in einer speziellen Entgiftungsstation für Alkoholkranke. Dort wird dann auch die Langzeittherapie eingeleitet und der Kontakt mit Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen geknüpft. Die stationäre Entgiftung dauert acht bis 14 Tage. Entzugssymptome sind Übelkeit, Nervosität, Schlafstörungen, der starke Drang, Alkohol trinken zu müssen („Saufdruck“), Gereiztheit und Depressionen. Ist die körperliche Abhängigkeit schon weiter fortgeschritten, kommen zum Beispiel starkes Schwitzen, Zittern (vor allem der Hände), grippeähnliche Symptome und – in äußerst schlimmen Fällen – zerebrale Krampfanfälle, mit Zungenbiss und Halluzinationen bis zum Delirium tremens hinzu. Entzugserscheinungen werden medikamentös behandelt. In Deutschland üblich ist die Verwendung von „Distraneurin“ (Wirkstoff Clomethiazol) oder eines Präparates vom Benzodiazepin-Typ (z. B. Diazepam, Clorazepat) sowie oftmals blutdrucksenkende Mittel der Wirkstoffgruppe der Imidazoline (z. B. Catapresan). Um die Gefahr von Entzugskrampfanfällen zu reduzieren, empfiehlt sich die Verwendung eines Antiepileptikums. Hat der Patient den Entzug überstanden, ist sein Körper vom Alkohol entgiftet.

Therapie

Direkt anschließend an den Entzug beginnt die eigentliche Therapie. Sie besteht aus Langzeitentwöhnung einerseits und Persönlichkeitsentwicklung und sozialem Training andererseits. Entsprechende Therapien werden meist in speziellen Suchtkliniken (Psychosomatische Klinik) als Langzeit- oder Kurzzeittherapie durchgeführt, seltener ambulant. Wesentliche Methoden sind: Therapeutische Gemeinschaft, Soziales Kompetenztraining, Selbsthilfegruppe, Pharmakologische Aversionstherapie, Reizexpositionsverfahren, Systemische Familientherapie.

Die Therapien finden meistens in Gruppengesprächen und gelegentlich Einzelgesprächen statt und werden von Sozialpädagogen, Psychiatern, Psychotherapeuten, Ergotherapeuten, Heilpraktikern und Pfarrern durchgeführt. Erste Anlaufstellen für eine ambulante oder stationäre Therapie sind Suchtberatungsstellen oder psychosoziale Beratungsstellen. Auch die Gesundheitsämter können weiterhelfen.

Die wesentliche und notwendige Erkenntnis in der Therapie ist, dass der Zustand der „Alkohollosigkeit“ unabdingbare Voraussetzung für die „Trockenheit“ ist, dass aber die eigentliche Trockenheit durch persönliche und soziale Entwicklung erreicht wird und dies ein lebenslanger Prozess ist.

Trockenheit bedeutet letztendlich, sich seiner „alkoholischen“ Denk- und Gefühlsstrukturen bewusst zu werden, sie zu erkennen, zu durchschauen und zu überwinden. Vor allem, Konflikte auszuhalten und zu lösen, ohne die Droge zu konsumieren, ist ein wichtiger Punkt. Das Leben des „trockenen“ Alkoholikers ist auch ohne das Suchtmittel meisterbar. Trockene Alkoholkranke können lernen, auch ohne ihre Droge ein intensives Lebensempfinden zu erlangen. Somit muss die „Abstinenz“ für den Suchtkranken nicht unbedingt mit Verzicht des Suchtstoffe oder Verbot für alkoholische Getränke gesehen werden. Es kann auch eine Bereicherung seines Lebens sein, durch die Überwindung der Krankheit.

Seit vielen Jahren haben sich Selbsthilfegruppen, wie Anonyme Alkoholiker, Blaues Kreuz, Guttempler oder Kreuzbund bewährt. Hier treffen sich in regelmäßigen Abständen trockene Alkoholiker, die über ihr gemeinsames Problem sprechen. Beim Kreuzbund e. V. wird auch die Familie mit einbezogen. Selbsthilfegruppen wirken außerordentlich unterstützend auf den Therapieerfolg, in manchen Fällen können sie sogar als Alternative zur klassischen Therapie in Betracht gezogen werden, insbesondere, wenn der Patient genügend Rückhalt durch Familie und Freunde hat.

Alkoholabhängigkeit ist immer auch als Interaktion mit den Mitmenschen zu betrachten. Diese sind deshalb in die Behandlung einzubeziehen. Lebenspartner, Kinder und ggf. Kollegen spielen bei der Änderung auch des eigenen Verhaltens eine wichtige Rolle. Auch für Angehörige und Freunde von Alkoholikern gibt es Selbsthilfegruppen, sowohl gemeinsam mit wie auch getrennt von den Selbsthilfeangeboten für Alkoholkranke, z. B. Al-Anon.

Ambulante Therapien werden seit 1996 von Kostenträgern übernommen. Voraussetzung für eine ambulante Behandlung ist eine mittelfristige Abstinenz von mindestens zwei bsi drei Monaten. Unabdingbar ist dabei eine soziale Einbindung (z. B. durch Arbeitsplatz, Familie, Freundes- und Bekanntenkreis, Selbsthilfegruppe).

Medikamente

Bei Alkoholkranken ist die Übertragung vieler Botenstoffe im Gehirn gestört. Z. B. erhöht sich die Anzahl der Glutamat-Bindungsstellen. Daher wurde versucht, durch die Opioid-Antagonisten Acamprosat und Naltrexon regulierend einzugreifen und die psychischen Entzugserscheinungen zu mildern – ein Verfahren, das bei Opioidsüchtigen bewährt ist. In den USA wird derzeit eine injizierbare Depotformulierung von Naltrexon klinisch erprobt (Handelsname Vivitrex ®). Schon wesentlich länger im Gebrauch ist die Substanz Disulfiram (Antabus ®), die einen anderen Mechanismus nutzt: Durch Hemmung eines für den Alkoholabbau wichtigen Enzyms erhöht sich bei Alkoholkonsum der Acetaldehyd-Spiegel, was schwere Kopfschmerzen und Brechreiz auslöst und somit das Trinken unmöglich macht.

Für die Wirksamkeit von Acamprosat und Naltrexon in der Therapie der Alkoholabhängigkeit gibt es zur Zeit die eindeutigsten Hinweise; bei Disulfiram sind die Ergebnisse weniger eindeutig. Aktuell wird untersucht, ob auch Medikamente, die in den Stoffwechsel des Botenstoffs Serotonin eingreifen (z. B. Fluoxetin und Ondansetron), zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit geeignet sind.[8] Viele der oben genannten Medikamente werden oft auch als Anti-Craving-Substanzen bezeichnet.

Zur Behandlung bei Suchtkrankheiten wird auch Akupunktur verwendet, allerdings bislang ohne wissenschaftlichen Nachweis der Wirksamkeit.