Drogenabhängigkeit und Missbrauch

Je nach Persönlichkeitskonstellation kann Drogenkonsum eine Abhängigkeit hervorrufen. Bei einigen Drogen wie Nikotin oder Heroin kann es schon nach sehr kurzer Zeit zu einer körperlichen Abhängigkeit kommen. Im Grunde kann jede rauscherzeugende Substanz eine Abhängigkeit hervorrufen, die umgangssprachlich meist als Sucht bezeichnet wird.

Viele Kulturen pflegen traditionell einen geregelten kulturellen oder rituellen Gebrauch von Drogen, der unter Umständen die Gefahr einer Abhängigkeit senken kann. So hatten nicht in die Tradition eingebundene Drogen wie Alkohol bei vielen Urvölkern, vor allem in Nordamerika und Australien, verheerende Auswirkungen, weil weder das Abhängigkeitspotenzial noch Regeln zum Konsum bekannt waren. Allerdings leiden auch in Gesellschaften, in denen Alkohol seit Jahrtausenden konsumiert wird, viele Menschen an der Alkoholkrankheit. Allein in Deutschland gibt es hier etwa 1,5 bis 2 Millionen Suchtkranke. Traditioneller Konsum verhindert also nur bedingt eine Abhängigkeit. Allerdings kann ein bewusster Umgang dazu führen, dass aufgrund der angemessenen Vorsicht nicht alle Menschen, die die entsprechende Droge konsumieren, in eine Abhängigkeit geraten.

In der westlichen Welt, beispielsweise in Europa, wird in breiten Kreisen der Gesellschaft oft auch eine Tradition des Vieltrinkens gepflegt, so dass sich in den Köpfen der Menschen Alkohol als alltägliche und selbstverständliche Droge festsetzt. Der aus Bayern stammende Spruch „Bier ist flüssiges Brot“ steht beispielsweise für eine feste Integration der Droge Alkohol in das Leben. Zu einem gesunden Umgang gehört auch eine gewisse Vorsicht und der Respekt vor der Gefährlichkeit des Missbrauchs, der auf großen Volksfesten wie dem Oktoberfest häufig von Millionen Menschen regelrecht zelebriert wird.

Drogenmissbrauch, in Europa vor allem der Alkoholmissbrauch, wird unterschätzt, weil in den Köpfen vieler Menschen Alkohol- oder Drogensucht fest verankert scheint mit dem Bild obdachloser, gestrandeter Menschen auf der Straße. Da süchtiges Verhalten nicht unbedingt von der Konsumhäufigkeit abhängt, sondern auch von anderen Faktoren, vor allem der persönlichen Zuordnung der Wichtigkeit einer Droge für das eigene Wohlbefinden, ist Missbrauch nicht gleichzusetzen mit Vieltrinken und Dauerrausch, sondern bedarf des genauen Hinschauens auf die individuellen Motive.

Ein Hauptkriterium zur Feststellung eines Abhängigkeitsverhaltens ist eine innere Fixierung auf die jeweilige Substanz, die meist einen zwanghaften Konsum zur Folge hat. Die Konsumhäufigkeit kann dabei variieren und ist nicht der Hauptindikator. Das führt für die Betroffenen oft über einen meist harmlos wirkenden Einstieg in die Drogenwelt bis hin zum völligen Abbau der Persönlichkeit, der schleichend erfolgt und daher wenn überhaupt erst spät erkannt wird.

Häufig wird zwischen physischer, also körperlicher, und psychischer, bzw. seelischer Sucht unterschieden. Die physische Sucht ist biochemischer Natur und bedeutet, dass das Vorenthalten der Droge im Körper direkt chemische Reaktionen auslöst. Beispielsweise kann ein plötzlicher Benzodiazepin- oder Alkohol-Entzug zu lebensgefährlichen Krampfanfällen führen (Delirium tremens).

Physische Abhängigkeit kann mit Medikamenten und Drogenersatzstoffen, wie zum Beispiel Methadon, behandelt werden. Bei bestimmten Drogen ist es auch möglich, den Entzug in einem künstlich herbeigeführten Koma durchzuführen.

Die psychische Sucht hingegen bezieht sich auf die Konditionierung des Süchtigen auf die Überzeugung, dass es ihm ohne die Droge schlecht geht. Die psychische Sucht, obwohl oder gerade weil für den Körper wesentlich weniger gefährlich, ist häufig viel schwerer zu überwinden als die physische. Allerdings ist die Trennung von körperlicher und seelischer Abhängigkeit problematisch, denn oftmals sind auch seelische Vorgänge sehr eng mit biochemischen Vorgängen im Körper, vor allem Gehirn und Nervensystem, verknüpft.

Drogenabhängigkeit ist nicht unbedingt auf eine bestimmte Droge beschränkt. Vielmehr lässt sich beobachten, dass Süchtige bei Nichtverfügbarkeit ihres Suchtstoffes auch überdurchschnittlich anfällig für andere Drogen sind. Das kann zu einer Suchtverlagerung führen. Die gleichzeitige Abhängigkeit von mehreren Drogen ist deswegen nicht selten und wird als Polytoxikomanie bezeichnet.